Akustik in Grossraumbüros


Vor-und Nachteile Grossraumbüros

Grossraumbüros sind aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Wie die meisten Bürokonzepte haben auch Grossraumbüros ihre Vor- und Nachteile. Deshalb muss bei der Planung geklärt werden, welche Arbeiten in den Büros ausgeführt werden und welche Anforderungen sich daraus an die Gestaltung der Arbeitsplätze ergeben. Bedarf es beispielsweise einer Möglichkeit, um konzentriert und störungsfrei arbeiten zu können, und soll es Möglichkeiten für Diskussionen und Gruppenarbeiten geben? Steht die ruhige Einzeltätigkeit im Vordergrund oder werden häufig Telefongespräche geführt? Etc. Wichtig ist, die Mitarbeitenden nach Möglichkeit von Anfang an in die Bedarfsabklärung einzubeziehen. 

 

Bedürfnisse an die Büroarbeitsplätze im Vorfeld klären:

• Welche Arbeitstätigkeiten werden ausgeführt?

• Wer wird die Räume nutzen?

• Welche Anforderungen ergeben sich daraus an die Gestaltung der   Arbeitsräume und Arbeitsplätze?

Wird ein Büro gestaltet, gibt es gemäss Arbeitsgesetz (ArG) Vorgaben, die dem Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden dienen. Dazu gehö- ren vor allem technische Vorgaben hinsichtlich Luftqualität, Lüftung, Raumklima, Schall/Akustik und Beleuchtung. Diese Broschüre fasst die Wegleitungen zu den Verordnungen zum Arbeitsgesetz (ArGV 3 Gesundheitsschutz) und wichtige Normen zusammen. Sie verschafft einen Überblick über alle wichtigen technischen Fachthemen. Da sich Umgebungsfaktoren oft gegenseitig beeinflussen (z.B. Akustikwände und Licht, Einbauten und Luftströmung etc.), müssen mögliche negative Wechselwirkungen frühzeitig erkannt und vermieden werden. Für die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ist zudem entscheidend, dass die Arbeitsorganisation, die Räumlichkeiten, die Ausstattung, die technischen Arbeitsmittel und die Gestaltung der Arbeitsplätze durch die Mitarbeitenden als für ihre Arbeit unterstützend erlebt werden.

Vor- und Nachteile von Grossraumbüros

Es gibt keine genaue Definition für den Begriff Grossraumbüro; im Allgemeinen werden Büroräume mit mehr als zehn Personen oder einer Grundfläche ab 400 m2 als Grossraumbüros bezeichnet. Der englische Begriff «Open Space» nimmt Bezug auf die räumliche Eigenschaft des Raumes, während der Begriff «Multi-Space» die funktionalen Eigenschaften anspricht. Zu den häufigsten Problemen in solchen Büros zählen beispielsweise: Mangelnde Privatsphäre, wenig persönliche Einflussnahme auf die Umgebung (z.B. Storen, Klima, Akustik), Ablenkungen und Störungen. Wissenschaftliche Studien ergaben eine grössere Häufigkeit von negativen gesundheitlichen Symptomen und Absenzen bei Personen in Grossraumbüros. Durch bauliche und organisatorische Massnahmen (z.B. «Silent Space», Rückzugsräume, Focusräume, Besprechungszonen, Vereinbarungen über das Verhalten etc.) können solche Auswirkungen verringert werden. Einen Überblick über die Vor- und Nachteile eines Grossraumbüros finden Sie im folgenden Kasten:

Vorteile

• Rascher Zugang zu Kollegen/innen

• Erleichterte Teamarbeit

• Flexibilität für das Unternehmen bei der Raumgestaltung

• Teilweise Flächeneinsparung

 

Nachteile

• Wenig persönliche Steuerungsmöglichkeit am individuellen Arbeitsplatz (z.B. Storen, Beleuchtung, Temperatur, Luftzug, etc.)

• Wenig Privatsphäre

• Wenig Gestaltungsmöglichkeit des direkten Umfeldes (Arbeitsmittel) und der Arbeitsumgebung (Bilder, persönliche Gegenstände etc.)

• Störungen, Ablenkungen

• Vertrauliche Gespräche erschwert (z.B. Telefonate, Gespräche zwischen Leitenden und Angestellten etc.) • Vermehrt Absenzen

Schall und Akustikumgebung

Belästigende und störende Geräusche sowie unfreiwillig mitgehörte Gespräche und Telefonate vermindern die Konzentration und die Leistungsfähigkeit. Störende Geräusche wirken sich nicht nur bei komplexen Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration verlangen, sondern auch bei leichten, routinierten, vorwiegend praktischen Tätigkeiten negativ aus. Ungestörtheit kann in einem Grossraumbüro nur bis zu einem gewissen Mass erreicht werden. Vertrauliche Gespräche zu führen ist in einem Grossraumbüro allerdings nicht möglich. Dafür bedarf es Extra-Räume. Das Störpotential der Gespräche wird nicht alleine durch den Schallpegel, sondern durch den Informationsgehalt und die Unkontrollierbarkeit charakterisiert. Daher können bereits leise geführte Gespräche oder nur einzelne «Gesprächsfetzen» stören.

Schallpegel Richtwerte

Tätigkeitsbezogener Richtwert für sich wiederholende, geistige Tätigkeiten mit zeitweise oder ständig hoher Anforderung an die Konzentration: LEX ≤ 65 dB(A) Erhöhte Anforderungen: LEX ≤ 55 dB(A) Tätigkeitsbezogener Richtwert für Tätigkeiten, die dauernd hohe Anforderungen an die Konzentration stellen und schöpferisches Denken erfordern: LEX ≤ 50 dB(A) Erhöhte Anforderungen: LEX ≤ 40 dB(A) Hintergrundgeräusch in einem Grossraumbüro: LEX ≤45 dB(A) 

Raumakustische Richtwerte

Eine der drei Varianten muss erfüllt sein: • Schallabsorptionskoeffizient (s ≥ 0.25). • Nachhallzeit (in Funktion des Raumvolumens), • Schalldruckpegelabnahme pro Distanzverdoppelung (DL 2 ≥ 4)

Schallminimierung

In Arbeitsräumen ist die Schallausbreitung zu reduzieren. Bei der Grundrissgestaltung und Zonierung des Büros wird empfohlen möglichst viel Abstand zwischen den Arbeitsplätzen einzuplanen. Die Arbeitsplätze sollten wenn möglich derart ausgerichtet werden, dass sich die Sprache nicht ungehindert ausbreiten kann und andere, am Gespräch Unbeteiligte, sich nicht in Sprechrichtung befinden. Laute und leise Bereiche sind zu trennen. Bau- und raumakustische Massnahmen zur Minimierung der Schallausbreitung, wie zum Beispiel der Einbau schallabsorbierender Decken und Wände und anderer Elemente (Stellwände, Schränke etc.), sind zu treffen. In Grossraumbüros werden schallabsorbierende Trennwände von mindestens 1.5 m Höhe, zwischen den Arbeitsplätzen und in Sprechrichtung platziert, empfohlen. Für gute raumakustische Verhältnisse in Grossraumbüros sind raumakustische Massnahmen im Nahfeld der Lärmquelle (Gespräche, Telefonate) entscheidend. Wenn durch die räumliche Unterteilung und bau- und raumakustischen Massnahmen nur unbefriedigende Ergebnisse erbracht wurden, können zusätzlich eingerichtete Hintergrundgeräusche die Akustik in Grossraumbüros verbessern. Das Ziel dabei ist, dass stö- rende Geräusche maskiert werden und ihren belästigenden Einfluss verlieren. Eine solche Massnahme ist aufwendig und setzt gute Kenntnisse auf dem Gebiet voraus. Bei ungenügenden raumakustischen Verhältnissen in Grossraumbüros empfiehlt es sich gemäss des Massnahmenplanes in der Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz, Anhang zu Artikel 22, vorzugehen (siehe Grafik, Seite 16). 

Ausblick

Die Norm SN EN ISO 3382-3 (SIA 181.084: 2012) beschreibt die Messung von raumakustischen Parametern in Grossraumbüros. Die Messergebnisse können bei der Beurteilung der akustischen Eigenschaften der Grossraumbüros eingesetzt werden, jedoch wurde die Klassifikation noch nicht standardisiert. Untersuchungen auf der Basis der SN EN ISO 3382-3 werden dennoch empfohlen, um die raumakustischen Verhältnisse eines Grossraumbüros einzurichten oder zu optimieren.

Ausschnitt des Massnahmenplanes in der Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz, Anhang zu Artikel 22

Stolpersteine

• Fehlendes oder mangelhaftes Raumakustikkonzept

• Platzierung der Akustikelemente

• Bauliche Einschränkungen bei Umnutzungen von Gebäuden oder durch architektonische Anforderungen